Südwest

Ein afrikanischer Traum

Dem Leser serviert A.E. Johann einen fesselnden Roman, der auf Tatsachen beruht.
Es ist die Geschichte einer Frau, Martha Korthinrichs, und ihrer Farm.

Marthas Vater war als Schutztruppenangehöriger nach Deutsch-Südwest-Afrika gekommen und hatte dort eine Farm (Otjikarare) aufgebaut.
Nach seiner Ermordung durch die aufständigen Hereros, übernahm Martha die Leitung des Besitzes und baute ihn unermüdlich aus.

"Südwest" ist der Roman einer außergewöhnlichen Frau, gleichzeitig die Geschichte einer Familie,
die durch drei Generationen hindurch einer unerhört harten,
feindlichen Umwelt ein Stück Land abtrotzte und es kultivierte.

Die dramatische Geschichte einer Farm in der Wildnis, einer deutschen Kolonie am Rande des schwarzen Erdteils,
wer könnte sie besser erzählen als A.E. Johann?
Der Autor erzählt diese Geschichte als Kenner von Südwest (siehe Nachwort nach dem Foto).

Neuausgabe vom Weltbild Verlag 2008

Fotos aus A.E. Johanns Arbeitszimmer (in einem Ringbuch abgelegt)

Nachwort, das nicht unbedingt gelesen zu werden braucht

Vielleicht macht ein Leser dieses Buches den Versuch, um größerer Genauigkeit willen die Farm Otjikarare auf einer Farmkarte von Südwest,
heute meist Namibia genannt, zu suchen und möglichst zu finden. Das wäre vergeblich. Otjikarare gab es, wie in diesem Buch geschildert, nicht.
Ebenso sind die handelnden Personen dieses Romans - eben eines Romans! - erfunden. Ich kann jedoch versichern,
dass keine Szene, kein Ereignis, keine Person und keine Landschaft in diesem Buche geschildert wird,
für die mir nicht die erlebte Wirklichkeit zahlreiche Modelle oder Modell-Situationen geboten hat.
Selbst »der Farmer« ist keine bloße Erfindung. Ich war sogar viele Jahre mit ihm befreundet.
Allerdings lag sein oder richtiger ihr Otjikarare nicht am Waterberg.

Mir kam es nicht darauf an, die Problematik des Kolonialismus vom Farbigen her, in Afrika vom Neger her,
zu sehen und den Versuch zu machen, sie an einem erdachten Beispiel darzustellen, obgleich ich dazu einiges hätte sagen können, bin ich doch vor dem letzten Weltkrieg sogar »ehrenhalber« in den Stamm der Ukuanjama-Ovambo auf­genommen worden
und habe noch an den allerletzten unverfälschten Mannbarkeits- Fraubarkeits-Riten teilgenommen.

Mir lag daran, den klassischen Fall eines Typus von Europäern darzustellen,
den die Engländer abschätzig die »coIonials« nennen, die »Kolonialen«, Leute, die in den Kolonien geboren sind oder so früh dorthin verpflanzt wurden,
dass sie ihre europäischen Mutterländer gar nicht mehr kannten, die stattdessen die Kolonie selbst für ihre wahre Heimat ansahen.
Sie gaben sich der neuen Heimat oft mit einer Eindringlichkeit hin, neben der die im Mutterland übliche Heimatliebe verblasst:"

Man kann über die Leistung dieser Kolonialen und die Folgen ihres Wirkens sehr verschiedener Meinung sein.
Über eines jedoch lässt sich nicht streiten: sie waren es, die den Grund dafür legten,
dass es heute in den Vereinten Nationen eine große Mehrheit von jungen Staaten gibt, die sich - wenigstens dem Namen und der erklärten Absicht nach
- im Rahmen eines Rechtssystems bewegen, das vom westlichen Europa und seinem Ableger Nordamerika erdacht wurde,
sei dies nun in privatwirtschaftlich-demokratischer oder in staatswirtschaftlich-autoritärer Ausprägung.
Einer der deutlichsten Beweise dafür, dass es sich so verhält, ist in der Tatsache zu sehen, dass z. B. in Afrika die jungen Staaten die zum Teil völlig willkürlich und unsinnig von den früheren europäischen Kolonialherren gezogenen Landes­ oder Provinzgrenzen
ohne jede vernünftige Korrektur in die heutige Unabhängigkeit übernahmen. Sie wurden vorgeprägt, diese Grenzen und Staaten, durch die Kolonialen,
durch die weißen unternehmerischen Menschen, die als Farmer, Kaufleute, Gewerbetreibende, auch als Soldaten oder Beamte,
hinausgezogen waren, um das andere Land zu ihrem Land zu machen.

Ich bekenne weiter, dass ich kein Fachmann für tropische Land- oder Viehwirtschaft bin und auch nicht in Witzenhausen studiert habe.
Ich habe meine Kenntnisse in dieser Hinsicht am Wege aufgelesen,
wie es gerade kam auf meinen insgesamt mehrere Jahre umfassenden Reisen im Afrika südlich der Sahara,
wo ich mit den Schicksalen vieler alter und junger Pioniere eng und freundschaftlich vertraut geworden bin.
Auf die Darstellung solchen Schicksals, von Menschen europäischer Herkunft, Willens- und Charakter-Prägung,
kam es mir an, die Schilderung von vielfach bewundernswerten Menschen,
die, ob sie es nun wollten oder nicht, die farbige, besonders die afrikanische Welt wesentlich verändert haben.

Wobei es offen bleiben muss, ob das gut war oder schlecht.

Es war so – mehr hat die Geschichte darüber nicht auszusagen, und es lässt sich nicht weiter rückgängig machen.

Ja, so ist es. Und mit den Geschichten verhält es sich dabei ebenso wie mit der Geschichte!

A.E. Johann


Taschenbuchausgabe